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Tour: Outside Festival

 

Interpret / Band:  Pop, Iggy

Location:  Peissnitzinsel, Halle/Saale

Datum:  28.06.1996

Kategorie:  Rock

  

  

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Tour: Outside Festival

 

Interpret / Band:  Pop, Iggy

Location:  Peissnitzinsel, Halle/Saale

Datum:  28.06.1996

Kategorie:  Rock

  

  

Kommentar
Iggy Pop. Diesen Namen hat sicherlich jeder schon mal irgendwo gehört. Mir ging es genauso, aber außer ?Passenger? und ??Raw Power? kannte ich kaum etwas von ihm. Klar wusste ich, dass er in den 70ern mit David Bowie zusammengearbeitet hatte (oder, besser gesagt, von Bowie unterstützt und gefördert worden war), aber viel mehr hätte ich über ihn nicht sagen können. Doch, eins noch: Er tritt häufig mit nacktem Oberkörper auf! Jedenfalls hatte sich dieses Bild von ihm in meinem Kopf eingeprägt.
 
Es war immer noch hell auf der Peissnitzinsel, als das Konzert von Iggy Pop begann. Zuvor hatten Instant Karma und Ash das Vorprogramm bestritten. Zwar warteten viele auf David Bowie, der unbestritten die Hauptattraktion des ?Outside Festivals? war, aber Iggy Pop sollte mit seinem Auftritt den zweiten Höhepunkt setzen.
 
Lisa, Thomas und ich standen etwa in der zweiten oder dritten Reihe direkt vor der Bühne. Bereits als die Band zu spielen begann, wurde es mächtig stressig in der Mitte. Einige Fans schafften es mit wilden Pogo-Tänzen und Schubsereien das bisher feste Publikumsgefüge ins Wanken zu bringen. Wir hatten Glück, denn das ganze Chaos ging (wenn auch nur knapp) gerade so an uns vorbei.
 
Iggy Pop stürmte wie ein Derwisch auf die Bühne ? und uns stockte der Atem. Nicht, dass er irgendwas besonderes machte. Nein, er war einfach nur da. Halbnackt. Furchteinflößend. Man muss ihm einfach mal gegenübergestanden haben um zu begreifen, was ich meine. Irgendwie sieht man ihn und denkt ?Das träumst Du jetzt nur. Den Typ kann es nicht geben. Und wenn doch, dann ist er nicht von dieser Welt.?. Er kam, wie erwartet, mit nacktem Oberkörper und einer ziemlich eng sitzenden, spacigen Hose aus Silberstoff. Im Schritt konnte man deutlich seinen großen Johannes erkennen und wahrscheinlich fielen gerade irgendwo reihenweise ein paar Feministinnen in Ohnmacht. Iggy bekam von einem Roadie ein ziemlich großes, mit reichlich Klebeband umwickeltes Mikrofon gereicht. Es war keines dieser kabellosen Dinger, sondern noch eins aus der guten alten Zeit des röhrenverstärkten Rock?n Roll. Er klatsche ein paar entgegengestreckte Hände im Publikum ab und lief, sein Revier abschätzend, am gesamten Bühnenrand entlang. Dabei musterte er ständig mit finsterer, skeptischer Mine die Leute im Publikum. Wahrscheinlich blickte er nicht wirklich finster. Wahrscheinlich ist er sogar ein ziemlich netter, kinderliebender Kerl. Aber es sah jedenfalls so aus. Jedes mal, wenn er zu uns kam, wichen die Leute vor uns unmerklich ein kleines Stück zurück. Wir natürlich auch. Lisa flüsterte mir ins Ohr, sie habe Angst vor ihm. Vielleicht lacht ihr jetzt, aber wenn Euch Iggy Pop mal irgendwann auf der Straße entgegenkommt und Euch aus seinen tiefliegenden Augen anstarrt, dann bekommt ihr ebenfalls Angst. Denkt an meine Worte.
 
Die Band powerte los. Bass, Leadgitarre, Rhythmusgitarre und Schlagzeug. Allesamt begnadete Musiker, die solide ihr Handwerk beherrschten. Aber wer in der Band von Iggy Pop spielt, kann noch so gut sein. Vor dem Charisma dieses Protagonisten rückt einfach jeder in den Hintergrund. Gleich beim ersten Song meinte einer, der irgendwo zwei Reihen hinter uns stand, er müsse Iggy ein Bier zuwerfen. Jedenfalls wabberte ein Plastikbecher über uns hinweg, sauste knapp an Iggy vorbei und klatschte neben dem Leadgitarristen auf die Bühne. Wahrscheinlich meinte es der Typ hinter uns nur gut. Wenn man betrunken ist, kommen einem manchmal die verrücktesten Dinge in den Kopf. Iggy ließ sich kaum etwas anmerken, ging aber, während er weitersang, zum Schlagzeuger, schnappte sich dort mit spitzen Fingern zwei volle 2-Liter-Pappbecher, kam zurück und schmetterte sein Mitbringsel zielsicher in unsere Richtung. Irgendwie gelang es uns, rechtzeitig in Deckung zu gehen. Die hinter uns hatten nicht so viel Glück. 4 Liter Flüssigkeit (fragt mich nicht, was es genau war) klatschten voll in die Menge und trafen wahrscheinlich sogar den Richtigen, denn genau aus dieser Ecke kam zuvor der Plastikbecher geflogen. Damit war aber für Iggy und für alle anderen Beteiligten die Sache abgetan.
 
Die Show war unbeschreiblich! Iggy ging damals immerhin schon auf die fünfzig zu, hüpfte aber wie ein flippiger Teenager kreuz und quer über die Bühne, wirbelte sein Mikro am langen Kabel umher und drangsalierte den Mikrofonständer. Ab und zu ging dabei auch mal etwas zu Bruch, aber Iggys persönlicher Roadie, der die gesamte Show aufmerksam verfolgte (und scheinbar jeden Schritt von Iggy schon im voraus erahnen konnte), war immer sofort zur Stelle und hatte Ersatz parat. Gleich zu Beginn der Show kletterte Iggy auf einen der Boxentürme, ritt darauf herum und machte fast einen Geschlechtsakt daraus. Dabei ging er nicht gerade zimperlich vor und verletzte sich an der Wange. Jeder andere hätte jetzt vielleicht eine Auszeit genommen, aber Iggy störte sich nicht weiter daran. Ich musste unweigerlich an den Arnold-Schwarzenegger-Film ?Predator? denken. An einer Stelle sagt darin ein Söldner zum anderen ?Hey, Du blutest ja!?. Der wiederum antwortet ?Ich habe keine Zeit zum bluten...?.
 
Iggy Pop und die wirklich souverän agierende Band spielten alte und neue Songs in einer sehr ausgewogenen, dynamischen Mischung (teilweise noch von den ?Stooges?). Es blieb zwar auch mal Raum für einige kurze Soli, aber die Hauptperson auf der Bühne war zu jeder Zeit Iggy Pop. Iggy ist ein Dynamo! Iggy ist geballte Energie! Im Laufe seines Auftritts wurde aus der anfänglichen Distanz fast so etwas wie Sympathie und Verbundenheit mit ihm. Irgendwann im Mittelteil holte sich Iggy einen Burschen aus dem Publikum auf die Bühne, der mit ihm ein paar Takte zusammen sang. Am Ende hatten wir alle irgendwie das Gefühl, mit ihm zusammen auf der Bühne gestanden zu haben. Wenn ich noch mal die Gelegenheit hätte, ihn live zu sehen, würde ich es tun. Und Ihr solltet es auch.